Hintergrundinfos zu unserem Konzert am 11. 11. 2005

La Grande Messe des Morts, op.5 Hector Berlioz

Liebe Freunde der Chormusik,

zum Beginn der Konzertsaison 2005/2006 haben wir uns ein Werk vorgenommen, dessen Aufführung nur in einem gewaltigen Gemeinschaftsprojekt realisiert werden kann, über dessen Zustandekommen wir uns sehr freuen. Zusammen mit dem Philharmonischen Chor Berlin und dem Berliner Sinfonie-Orchester werden wir am 11. November 2005 in der Berliner Philharmonie die Grande Messe des Morts, op. 5, das Requiem des französischen Komponisten Hector Berlioz (1803-1869) auf die Konzertbühne bringen.

Was für Beethoven die Missa Solemnis, war für Hector Berlioz sein Requiem. „Drohte man mir mit der Verbrennung meines ganzen Werkes, so bäte ich für eine Partitur, die Grande Messe des Morts, um Gnade“, schrieb er zwei Jahre vor seinem Tod an einen Freund. Das monumentale Werk drückt mit seinem romantischen Überschwang und dem kontrastreichen Bläsersatz zweifelsohne auf ganz besondere Weise das spirituelle Wesen des selbsterklärten Atheisten Berlioz aus.

Dieser wollte die Ängste am Tage des Jüngsten Gerichts musikalisch umsetzen und schaffte dadurch ein Werk überwältigender, räumlicher Klangwirkung und kolossaler Leidenschaft. Mächtige und dramatische Sätze, wie das Dies Irae oder das Lacrimosa, werden von nachdenklichen und geradezu ruhigen Melodien, wie dem Quid sum miser oder dem Quaerens me, in welchem der Chor a cappella singt, durchzogen. Die dynamische Spannweite der Totenmesse reicht vom Forte-Fortissimo bis zum vierfachen Pianissimo und macht sie, trotz ihrer Großflächigkeit, zu einem chorisch anspruchsvollen Werk.

Für die Feierlichkeiten zum Gedenken gefallener Helden der Juli-Revolution im Invalidendom 1836 wurde es von der französischen Regierung in Auftrag gegeben. Doch aus politischen Gründen konnte es erst im darauf folgenden Jahr uraufgeführt werden. Circa 500 Musiker waren an der aufwändigen Aufführung im großen Stil, der als Zeichen revolutionären Geistes in Mode gekommen war, beteiligt – 200 Choristen, ein großes Orchester und vier kleinere Fernorchester, dazu zahlreiches Schlagwerk. Für die Aufstellung und Anordnung im Raum hatte Berlioz genaue Pläne und trotz einiger Ohnmachtsanfälle und Tränenausbrüche unter den Sängern und im Publikum, wurde die Grande Messe des Morts ein überwältigender Erfolg für den Komponisten.

Auch am 11. November 2005 werden die Musiker des Berliner Sinfonie-Orchesters an verschiedenen Orten im Großen Saal aufgestellt sein und 200 Sängerinnen und Sänger des Philharmonischen Chores Berlin und der Berliner Singakademie, der beiden einzigen, vom Berliner Senat vollständig geförderten Laienchöre der Stadt, werden durch rhythmischen Sprechgesang, wie im Kyrie, oder polyphone Partien, wie in der Hosanna-Fuge führen. Dem einzigen solistischen Satz, dem Sanctus, wird der Tenor Robert Künzli Stimme verleihen, bis im Finale mit seinen klanglichen Lichteffekten von Hell-dunkel Kontrasten schließlich der musikalische Kreis geschlossen wird.

Freuen Sie sich mit uns auf dieses einmalige Ereignis, die gemeinschaftliche Aufführung der Grande Messe des Morts von Hector Berlioz.

Ihre
Berliner Singakademie

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