Hintergrundinfos zu unserem Konzert am 11. 12. 2005

Französische Weihnacht

Liebe Freunde der Chormusik,

auch in diesem Jahr veranstalten wir ein Weihnachtskonzert mit Stücken, die auf die beschauliche Zeit einstimmen sollen. Für unsere Französische Weihnacht stehen am 11. Dezember 2005 das „Te Deum“ von Charpentier, das „Oratorio de Noël“ von Saint-Saëns und „Une Cantate de Noël“ von Honegger auf dem Programm.

Auch wenn Marc-Antoine Charpentier (1643 – 1704) nie, wie sein Zeitgenosse Jean-Baptiste Lully, im Dienste des Sonnenkönigs stand und heute wenig über sein Werk und sein Leben bekannt ist, so hat sein „Te Deum“ doch Weltruhm erlangt. Als Eurovisionshymne ist das rondeau-artige Präludium des Ambrosianischen Lobgesangs in den 1950ern wiederentdeckt worden und so in die Fernsehgeschichte eingegangen. Reich orchestriert, ganz im Stile des französischen Barock, ist der Text als glänzende Festmotette organisiert, die oft von geradezu zärtlich instrumentierten Soloabschnitten durchzogen ist und nach einer Chorfuge und instrumentalen Zwischenspielen zu einem imposanten Finale geführt wird.

Nichts von der königlichen Festlichkeit des „Te Deums“ hat hingegen Camille Saint-Saëns‘ (1835 – 1921) zehn-sätziges „Oratorio de Noël“, das der französische Komponist 1853 im Alter von 23 Jahren schrieb. Ohne Bläser und lediglich durch Solisten, Chor, Streichorchester, Harfe und Orgel besetzt, ist das Klangbild sehr viel wärmer und vor allem intimer. Der choralartige, homophone Chorsatz und die volkstümliche Melodik erzeugen eine zurückhaltende, besinnliche Grundstimmung, die mit dem energischen Chor „Quare fremuerunt gentes“ nur ein einziges Mal durch musikalisches Aufbegehren durchbrochen wird.

Grundlegend dramatischer ist dagegen das Werk unseres dritten und jüngsten Komponisten in dieser Reihe. Arthur Honeggers (1892 – 1955) „Cantate de Noël“ blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück. Im November 1940 als Gemeinschaftsprojekt zur Neuausrichtung der Selzacher Passionsspiele begonnen und nach dem Tod des Initiators abgebrochen, vollendete der schwerkranke Honegger das Stück erst im Jahre 1953 nach den alten Skizzen zu einem eigenständigen Werk. Die interessante Kantate ist in zwei Teile geteilt, von denen der erste mystisch und düster, der zweite aber hoffnungsvoll und hell ist, da sich bekannte Weihnachtslieder, in ihren jeweiligen Heimatsprachen gesungen, zu einem rasanten Quodlibet finden, bevor Bariton-Solist und Kinderchor das gipfelnde „Laudate“ anstimmen.

Jedes der drei Stücke, das wir Ihnen in unserer französischen Weihnacht präsentieren möchten, deutet das Weihnachtsgeheimnis auf seine ganz persönliche und einzigartige Weise und wir freuen uns, damit auch Sie festlich einstimmen zu können, wenn Sie am 11. Dezember 2005 im Konzerthaus Berlin mit uns feiern.

Ihre
Berliner Singakademie

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