Werkeinführung zu unserem Konzert am 17.04.2009

Felix Mendelssohn Bartholdy

Paulus

In diesem Jahr feiern wir Felix Mendelssohn Bartholdys 200. Geburtstag. Der Name des Berliner Komponisten ist eng mit dem unseres Chores verbunden, leitete der damals 20-jährige Mendelssohn doch gemeinsam mit der Sing-Akademie zu Berlin die Bachrenaissance in Deutschland ein. Im direkten Einfluss dieser Tradition steht auch das am 22. Mai 1836 in Düsseldorf unter der Leitung des Komponisten uraufgeführte Oratorium „Paulus“. Schon 1831 hatte der Frankfurter Cäcilien-Verein ein Paulus-Oratorium in Auftrag gegeben, ein Jahr später begann Mendelssohn mit der Arbeit. Den evangelischen Theologen und Pfarrer Julius Schubring bat er um die Erstellung eines Textes nach Bibelworten und mit Chorälen aus dem Gesangbuch, dies ganz nach dem großen Vorbild Bachs und Händels.

Dennoch trägt das zweiteilige Oratorium ganz individuelle Züge der Tonsprache Mendelssohns. Liedhafte Arrangements und romantische Elemente sind mit den barocken Formaten der Rezitative, Arien, Turbachöre und Choräle verquickt. Ganz zentral ist Mendelssohns Lichtmetaphorik, die über den Chor „Mache dich auf, werde Licht“ hinaus immer wieder Verbindungen zwischen den einzelnen Stücken schafft. Den Einstieg in die im Werk erzählte Geschichte bildet die Steinigung des Heiligen Stephanus, für die sich Saulus von Tarsus ereifert. Er will die Christen in Syrien verfolgen, doch auf dem Weg nach Damaskus erscheint ihm Jesus Christus, dessen Licht ihn blendet und bekehrt. Den hebräischen Namen Saulus legt er daraufhin ab, um den römischen Namen Paulus anzunehmen.

Der zweite Teil des Oratoriums ist inhaltlich von der Missionstätigkeit des Paulus geprägt, durch die der Bekehrte nun selbst in Bedrängnis gerät. Die hämische Frage des Volkes „Bist du nicht, der zu Jerusalem verstörte alle?“ zeigt die perspektivische Umkehr vom Verfolger zum Verfolgten, die durch das Selbstzitat des „Steiniget“-Chores aus dem ersten Teil auch musikalisch bekräftigt wird. Die sprichwörtliche Wandlung vom Saulus zum Paulus dürfte auf Mendelssohn – schon vor dem Hintergrund seines eigenen religiösen Lebens – eine große Faszination ausgeübt haben. Sein Großvater, der Philosoph Moses Mendelssohn, war aufgeklärter Jude, doch sein Vater Abraham hatte seine Kinder schon früh evangelisch taufen lassen. Mit besonderem Interesse verfolgte auch er die Entstehung des Oratoriums, das seinen Sohn mit einem Schlag international bekannt machen sollte und begeisterte Engländer dazu bewegte, ihn als ebenbürtigen Nachfolger Händels zu feiern.

Doch in Deutschland sollten die Stimmen für Mendelssohns Musik zunehmend verebben. Schon 1850 hatte Wagner in seiner Schrift „Über das Judenthum in der Musik“ gegen den Komponisten polemisiert und 1933 wurde seine Musik unter nationalsozialistischer Federführung verboten. Dieser widersinnige Versuch, Mendelssohns musikalisches Andenken auszulöschen, kann heute zum Glück als gescheitert betrachtet werden. Mit uns feiern Berliner, Leipziger und viele musikbegeisterte Menschen auf der ganzen Welt das Mendelssohn-Jubiläum 2009. Feiern auch Sie mit uns, wenn wir am 17. April 2009 um 20:00 Uhr im Großen Saal des Konzerthauses Berlin (am Gendarmenmarkt) Felix Mendelssohn Bartholdys „Paulus“ auf die Bühne bringen.

Claudia Furtner